Bei meinem letzten Tunesienbesuch anlässlich des JURIK-Projekts (siehe Blogeintrag "Offene Runde im Grünen") war ich natürlich nicht nur "im Dienst". Ein paar Tage vor dem Eintreffen der deutschen Delegation hatte ich seit längerer Zeit sogar wieder einmal die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Spaziergang in den Wäldern von Ain Draham. Dabei habe ich auch die vor einigen Jahren im Korkeichenwald begonnenen, illegalen Bauvorhaben besucht, auf die ich zum ersten Mal im Mai 2013 aufmerksam gemacht habe (siehe Blogeintrag "Gründerfieber im Korkeichenwald"). Wie ihr auf dem Foto zum aktuellen Beitrag sehen könnt, hat die Bautätigkeit an einem Gebäude im Vergleich zum Jahr 2013 erkennbare Fortschritte gemacht. Das Erdgeschoss ist mittlerweile komplett vollendet. Sogar ein kleiner Zaun wurde um das Grundstück gezogen. Auch an anderen Neubauten im Wald wurde seit 2013 munter weitergebaut. Obwohl alle Bauten nur recht langsam vorankamen, komplett unterbunden werden konnten die illegalen Bauprojekte also bislang noch nicht. Damit setzt sich ein Negativtrend fort, den die Weltnaturschutzorganisation IUCN in einer aktuellen Veröffentlichung für alle unter Naturschutz stehenden Gebiete Tunesiens beklagt: die mit dem politischen Umbruch im Jahr 2011 begonnenen Angriffe und Beschädigungen von Schutzgebieten halten leider unvermindert an. Wie in dem Bericht mit dem etwas unspektakulären Titel "Termes de Reference" zu lesen ist, hat der IUCN vor kurzem zur Behebung dieses Miss-Stands gemeinsam mit der tunesischen Forstdirektion (Direction Générale des Forêts) eine einzigartige Initiative gestartet. Diese zielt darauf ab, in zwei Pilotgebieten ein neues, kooperatives Verwaltungsmodell für Naturschutzgebiete zu erproben. Durch eine Zusammenarbeit verschiedener Regierungsstellen mit Akteuren der lokalen Zivilgesellschaft sowie dem Privatsektor soll dabei eine gemeinsame Verwaltungsstruktur zur besseren Inwertsetzung der Schutzgebiete gegenüber Besuchern entstehen, die auch die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Regionen voranbringen soll . Zu den gemeinsam entwickelten, für Besucher interessanten Dienstleistungen zählen u.a. Angebote zur Naturentdeckung, thematische Rundwanderwege, das traditionelle Wissen der lokalen Bevölkerungen sowie die Umwelterziehung. Das Interessante daran: Zu den zwei Modellgebieten der Pilotinitiative gehört der Nationalpark El Feija. Auf diese Weise ist auch das JURIK-Projekt auf indirekte Weise mit dem IUCN-Vorhaben verbunden. Denn neben der baulichen Umsetzung des im letzten Jahr konzipierten Naturerlebnis- und Umweltbildungsgartens, also eines neuen Angebots zum Naturerlebnis und zur Umweltbildung im Nationalpark, geht es bei JURIK um die Entwicklung eines mit dem Naturerlebnisgarten verbundenen Umweltbildungsprogramms, inklusive einer dieses Programm tragenden Kooperative, die ebenfalls zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure zusammenbringen und vereinen soll. Die Aussicht, dass sich laufende Projekte im Nationalpark El Feija einander ergänzen und befruchten, gefällt mir sehr. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die beiden tunesischen Partnerorganisationen im JURIK-Projekt, "Sidi Bou Zitoun" aus Ghardimaou und "ATTES" aus Ain Draham, auch am aktuell in Nordafrika umgesetzten IUCN-Programm PPI-OSCAN  (Programme de Petites Initiatives pour les Organisations de la Société Civile d´Afrique du Nord) mit eigenen Projekten beteiligt sind. Im Zentrum steht dabei in beiden Fällen die Ausweisung von thematischen Rundwanderwegen zur Naturentdeckung unter Einbeziehung von lokalen ökotouristischen, kulinarischen und kunsthandwerklichen Initiativen. Oder mit anderen Worten: Die Chancen, um in diesem Jahr bei Naturschutz, Ökotourismus und Umweltbildung in der Provinz Jendouba und im Nationalpark El Feija voranzukommen, sind außerordentlich gut. Hoffentlich gelingt es auch, diese Chancen zu nutzen.
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