Im 5. Jahrhundert vor Christi gründeten die Phönizier im heutigen Tabarka ihre Handelsniederlassung “Thabraca” und verdrängten die berberische Urbevölkerung (Numidier) aus der Küstenregion. Nach dem von den Numidiern unterstützten Sieg Roms gegen das mächtige Karthago wurde fast die gesamte Region ab dem 2. vorchristlichen Jahrhundert zur „Korn- und Olivenölkammer“ des Römischen Reiches. Eine ausgedehnte Agrarlandschaft mit einem über Fernstraßen gut vernetzten Städtesystem entwickelte sich, mit bedeutenden Städten wie Chemtou, Bulla Regia und Thuburnica. Über Thabraca wurde der berühmte Marmor von Chemtou sowie Erze und Holz aus der Kroumirie in alle Teile des Römischen Reiches verschifft. Zwischen Hippo Regio und Karthago, den zwei Wirkungsstätten des Kirchenvaters Augustinus, entstanden in der Region ab dem 3. Jahrhundert nach Christi auch viele frühchristliche Gemeinden.

Die Kroumirie zählt zu den ältesten Siedlungsräumen Tunesiens. Die ersten Spuren von Menschen finden sich in den Dünenfeldern und Ebenen entlang der Küste.

Nach der kurzen byzantinischen Herrschaft zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert führten vor allem die massiven arabischen Invasionen des 11. Jahrhunderts zu einem Zerfall der römischen Kulturlandschaft und einer Rückeroberung der Kroumirie durch Wald und Macchia. Die spanischen, genuesischen und osmanischen Eroberungen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts änderten daran nicht viel, denn auch sie konzentrierten sich aufgrund der dortigen Korallenvorkommen fast ausschließlich auf die Küste.

Erst mit dem französischen Protektorat von 1883 änderte die Kroumirie erneut ihr Gesicht. Von der einsetzenden Kolonisation und fortschreitenden Landnahme zeugen heute noch Bauernhöfe, Bahnhöfe, Brücken, Forsthäuser, Kirchen, Kasernen, Befestigungen sowie gesamte Stadtbilder wie in den Ortschaften Beni M´tir und Ain Draham.

Mit der Gründung des Nationalstaates Tunesiens durch Habib Bourghiba im Jahr 1956 fiel die Region im Gegensatz zu den Küstenregionen im Osten des Landes zurück. Dieser Trend setzte sich unter der Herrschaft von Ben Ali fort. Auch nach der demokratischen Regierungsübernahme durch die islamistische Nahda-Partei hat sich an der Rückständigkeit der Region noch nichts geändert – mit zunehmend negativen Folgen für die Natur: Vogeljagd, Waldbrände, Baumfrevel, Waldbeweidung, illegale Abholzung und ein rasanter Siedlungsbau in Waldgebieten.

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