Das oben stehende Bild stammt ausnahmsweise mal nicht aus Tunesien. Aber es hat mit Tunesien zu tun. Genauer gesagt: mit dem aktuellen, deutsch-tunesischen Projekt JURIK der "European Nature and Environment Academy" (ENEA) e.V. aus Hannover. Das vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Transformationspartnerschaft finanzierte Umwelt- und Naturschutzprojekt verfolgt vor allem zwei Ziele: zum einen die bauliche Umsetzung eines Naturerlebnis- und Umweltbildungsgartens im nordwesttunesischen Nationalpark El Feija, zum anderen die Stärkung und Weiterentwicklung der regionalen Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen Akteuren und staatlichen Institutionen in der Provinz Jendouba.

Nach dem erfolgreichen Projektstart in Tunesien Ende April (siehe Blogeintrag "Offene Runde im Grünen") fand Ende Mai nun das zweite Projektmodul statt. Der Ort des Geschehens war der Nationalpark Harz, einer von 16 Nationalparks in Deutschland und offizieller Partner im JURIK-Projekt. Neben der Festigung der im April neu gewonnenen Partnerschaft zwischen dem tunesischen Projektkoordinator, der Umwelt- und Naturschutz-NGO "Sidi Bou Zitoun", und der lokalen Forstverwaltung Ghardimaou stand während der drei Besuchstage vor allem die Umweltbildungsarbeit des Nationalparks im Zentrum des Interesses.

Neben einem offiziellen Empfang in der Nationalparkverwaltung in Wernigerode beinhaltete das abwechslungsreiche Programm daher zum einen sehr interessante und gut vorbereitete Begegnungen im Bildungs- und Informationszentrum in Sankt Andreasberg, im Besucherzentrum Hohne-Hof und im Brockengarten. Daneben lag ein besonderes Augenmerk auf den bereits 1994 initiierten Junior-Ranger-Gruppen, die einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt der Umweltbildung im Nationalpark bilden.

Mittlerweile als Teil eines unter dem Dach von Europarc Deutschland laufenden, nationalen Programms besteht jede der Gruppen aus bis zu dreißig Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren. Diese treffen sich regelmäßig, um unter Anleitung eines erwachsenen, vom Nationalpark zur Verfügung gestellten Betreuers (Ranger) unterschiedliche Umwelt- und Naturschutzaktivitäten im Nationalpark organisieren und durchführen.

Mit welcher Überzeugung, Kompetenz und Begeisterung die jungen Menschen bei der Sache und am Werk sind erlebte die deutsch-tunesische Projektgruppe auf beeindruckende Art und Weise bei ihrem Zusammentreffen mit einer der vier Junior-Ranger-Gruppen des Nationalparks Harz in Braunlage. Auf einer gemeinsamen Wanderung präsentierten die "Wölfe" ihren Besuchern stolz eine Auswahl ihrer Projekte, darunter eine Schirmherrschaft und Pflege-Patenschaft für eine Waldquelle sowie ein innovatives Fotoprojekt zur Dokumentation des jahreszeitlichen Vegetationswechsel einer für Braunlage typischen Bergwiese.

Als Höhepunkt der Begegnung hatten sich die engagierten Jugendlichen dann eine besondere Aktion ausgedacht und überreichten jedem der vier sichtlich überraschten und bewegten tunesischen Gäste eine selbstgemachte Urkunde zur Verleihung einer Ehrenmitgliedschaft bei den "Wölfen". Ich bin gespannt darauf, wie die neu ernannten "Membres d´Honneur" aus Nordafrika bei den nächsten geplanten Treffen in Deutschland und in Tunesien auf diese Anerkennung reagieren werden.

Eines war der gesamten Projektgruppe nach diesem Zusammentreffen allerdings schon sofort klar: Beim nächsten Projektmodul Anfang August, bei dem dann auch Schülerinnen und Schüler aus der Provinz Jendouba dabei sein werden, sollte ein Treffen mit den "Wölfen" in jedem Fall noch einmal auf den Programm stehen. Denn angesichts einer derartigen Freude und Begeisterung für Natur und Umwelt muss der Junior-Ranger-Funke einfach in die Kroumirie überspringen.

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